Innerhalb eines Jahres sind die Mindestlöhne in Montenegro um mehr als 20 % gestiegen und haben damit alle anderen EU-Beitrittskandidaten übertroffen. Dieses Ergebnis sichert dem Land einen Spitzenplatz im Eurostat-Ranking und zeigt deutlich, wie schnell sich die wirtschaftliche Landkarte der Region verändert.
Rekorddurchbruch für Europe Now 2
Von Juli 2024 bis Juli 2025 stieg der Mindestlohn in Montenegro um mehr als 20 Prozent – ein absoluter Rekord unter allen Beitrittskandidaten der Europäischen Union. An zweiter Stelle lag Nordmazedonien mit einem ähnlichen Indikator, während einige Länder einen Rückgang verzeichneten.
Dieses deutliche Wachstum war das Ergebnis eines Regierungsprogramms „Europa jetzt 2“, die im Oktober 2024 auf Initiative von Premierminister Milojko Spajic ins Leben gerufen wurde. Der Reform zufolge Mindestlohn für Arbeitnehmer mit Sekundarschulbildung wurde auf das Niveau festgelegt 600 euro, und für Fachkräfte mit Hochschulbildung - 700 euro.
Zum Vergleich: Vor der Reform lag der Mindestlohn im Land bei 450 Euro. Somit war die Erhöhung +150 Euro oder +33 % nominal, aber wenn wir von Juli 2024 bis Juli 2025 zählen, betrug der Anstieg in den Berechnungen von Eurostat aufgrund einer Neuberechnung auf der Grundlage durchschnittlicher Jahreszahlen etwas mehr als 20 %.
Wo liegt Montenegro auf der europäischen Gehaltskarte?
Nach EurostatIm Juli 2025 lagen die Mindestlöhne in den EU-Ländern zwischen 551 Euro in Bulgarien auf 2 Euro in LuxemburgUnter den Kandidatenländern wurde die geringste Größe in Ukraine - nur 164 Euro.
Es ist wichtig zu bedenken, dass es in Europa fünf EU-Mitgliedsstaaten gibt, in denen es gibt keinen gesetzlichen Mindestlohn: Italien, Dänemark, Schweden, Österreich und Finnland.
Vier Gehaltsgruppen in Europa
Die Analysten von Eurostat und Euronews haben die Länder in vier Kategorien eingeteilt:
- Hohe Gruppe (mehr als 1 €) – Luxemburg (500 €), Irland (2 €), Niederlande (704 €), Deutschland (2 €), Belgien (282 €), Frankreich (2 €).
- Mittlere Gruppe (1–000 €).
- Niedrige Gruppe (600–999 €).
- Sehr niedrige Gruppe (weniger als 600 €) – Nordmazedonien (584 €), Türkei (558 €), Bulgarien (551 €), Albanien (408 €), Moldawien (285 €), Ukraine (164 €).
Nach der Oktoberreform ist Montenegro von der unteren Grenze der „niedrigen Gruppe“ in deren oberes Segment aufgestiegen, was seine Position im regionalen Vergleich verbessert hat.
Geographie der Ungleichheit
Eine Karte der Mindestlöhne in Europa zeigt deutlich die Kluft zwischen dem Westen und dem Osten des Kontinents.
- West- und Nordeuropa — Spitzenreiter in Bezug auf das Einkommensniveau.
- Balkan und Osteuropa – am unteren Ende der Rangliste, darunter die meisten EU-Kandidatenländer.
Dr. Sotiria Theodoropoulou, Ökonomin am Europäischen Gewerkschaftsinstitut (ETUI), erklärt: „Höhere Produktivität bedeutet höhere Löhne. Länder mit entwickelter Industrie, Finanzsektor und Hochtechnologie können es sich leisten, mehr zu zahlen und haben eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den Arbeitgebern.“.
Kaufkraftbereinigung verändert das Bild
Wenn die Mindestlöhne neu berechnet werden in Kaufkraftstandard (KKS)Die Kluft zwischen den Ländern verringert sich. Zum Beispiel:
- In Euro ausgedrückt, erhält Luxemburg den 4,9-fachen Mindestlohn von Bulgarien.
- In PPS beträgt der Unterschied „nur“ das 2,3-fache.
Gemessen an der Kaufkraft liegt der niedrigste Mindestlohn in der EU in Estland (886), und unter den Kandidaten - Albanien (566).
Insbesondere Montenegro, Nordmazedonien und die Türkei liegen beim PPS vor einigen EU-Mitgliedsstaaten, darunter Malta, Ungarn und die Slowakei.
Wer hat im Laufe des Jahres zugenommen und wer hat abgenommen?
Von Januar bis Juli 2025 blieb der Mindestlohn in den meisten Ländern unverändert.
- Wachstum: Nordmazedonien (+7,7 %), Griechenland (+6,1 %).
- Fallen: Türkei (-21,2 %) und Ukraine (-9,9 %) – hauptsächlich aufgrund von Inflation und Wechselkursschwankungen.
Wenn du schaust Jahr für Jahr (Juli 2024 – Juli 2025), dann:
- Die Spitzenreiter unter den Kandidaten sind: Montenegro und Nordmazedonien (Wachstum über 20 %).
- Führend in der Eurozone Kroatien (+15,5%), gefolgt von Litauen (+12,3 %).
- Frankreich verzeichnete ein minimales Wachstum (+2 %), während Deutschland (+5,2 %) und Spanien (+4,4 %) leicht zulegten, die Realeinkommen dort aber inflationsbedingt sanken.
Was kommt als nächstes für Montenegro?
Ökonomen weisen darauf hin, dass der schnelle Anstieg des Mindestlohns ein zweischneidiges Schwert ist.
- Dies erhöht einerseits den Lebensstandard und stimuliert die Binnennachfrage.
- Andererseits übt es Druck auf die Unternehmen aus, insbesondere im kleinen und mittleren Sektor, und kann die Inflation beschleunigen.
Die montenegrinischen Behörden hoffen, dass die Einkommenssteigerung der Bevölkerung der Wirtschaft zusätzlichen Auftrieb verleiht und dazu beiträgt, den Abstand zu den reicheren europäischen Ländern zu verringern. Experten warnen jedoch, dass für einen nachhaltigen Effekt nicht nur Lohnerhöhungen, sondern auch Investitionen in die Steigerung der Arbeitsproduktivität, Bildung und Innovation notwendig seien.
